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Wasser auf dem Mars?

Rinnsale im roten Sand. Auf dem Mars fließendes Wasser zu entdecken – darauf hoffen Astronomen seit Jahren. Jetzt haben sie endlich eine heiße Spur: Dunkle Linien, die sich an sonnigen Abhängen bilden, könnten durch viele kleine Rinnsale entstehen.

Auf unserem Nachbarplaneten könnte Wasser fließen. Darauf deuten zumindest aktuelle Bilder der Raumsonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ hin. Die Aufnahmen zeigen dunkle Linien, die sich im späten Frühjahr und Sommer an einigen Abhängen auf dem Mars gebildet haben. Diese Ausläufer sind einen halben bis fünf Meter breit und zum Teil Hunderte Meter lang.

Während der warmen Jahreszeiten wachsen die Linien, in den kälteren Monaten verschwinden sie wieder, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Science“. Entdeckt haben die Forscher die Strukturen bisher nur auf der Mars-Südhalbkugel – und zwar an Hängen, die in Richtung des Äquators zeigen. An einigen der sieben bisher identifizierten Stellen finden sich mehr als 1000 einzelne dunkle Linien. Sie sind deutlich schmaler als die schon früher entdeckten Rillen in der Marsoberfläche.

Bereits seit einiger Zeit ist klar, dass es auf dem Mars Wasser gibt. Das hat die Nasa-Sonde „Phoenix“ nachweisen können: Sie entdeckte Wassereis in einer gefrorenen Bodenprobe. Dass in ferner Vergangenheit Wasser auf der Oberfläche des Mars geflossen ist, nehmen viele Forscher an. Die aktuellen Ergebnisse lassen vermuten, dass es auch aktuell der Fall sein könnte.

Die Wissenschaftler präsentieren mehrere Theorien, wie die dunklen Linien entstehen könnten. Aber: „Die beste Erklärung, die wir bisher für die Beobachtungen haben, sind Rinnsale von Salzwasser“, sagt Alfred McEwen von der University of Arizona in Tucson, der Hauptautor der „Science“-Veröffentlichung. „Wenn wir es mit der Erde vergleichen, ist es schwer vorstellbar, dass diese Strukturen von etwas anderem geformt wurden als einer Flüssigkeit, welche die Hänge herunter fließt“, sagt Richard Zurek von der Nasa, ein Forscher der „Mars Reconnaissance Orbiter“-Mission.

Direkter Wassernachweis fehlt

Wenn es sich tatsächlich um Wasser handelt, dann wohl um salziges. Denn an den unter Beobachtung stehenden Stellen liegen die Oberflächentemperaturen bei minus 20 Grad Celsius. Süßwasser wäre also schon längst gefroren. Doch bei entsprechend hohem Salzgehalt könnte der Gefrierpunkt auf passende Werte absinken. Zum Vergleich: Wasser, das so salzig ist wie jenes in den Erdozeanen, würde unter den beobachteten Bedingungen auf dem Mars wohl flüssig bleiben.

Die aufregende These hat jedoch eine Schwachstelle: Für das flüssige Salzwasser fehlt der direkte Nachweis: Spektrometer-Messungen zeigten in den dunklen Spuren kein wassertypisches Signal. „Die Rinnsale sind offenbar nicht dunkel, weil sie nass sind“, sagt McEwen. Eine mögliche Erklärung ist nach Ansicht der Forscher, dass das Wasser an der Gesteinsoberfläche sehr schnell trocknet oder gar in tieferen Schichten fließt.

Auch möglich: Nicht die Feuchtigkeit sei die Ursache für die dunkle Farbe, sondern durch das Wasser veränderte Gesteinsstrukturen, erklärt Planeten-Geologe McEwen. Dann sei allerdings schwer zu erklären, wie die Flächen wieder heller werden. „Es bleibt ein Rätsel, aber ich glaube, es lässt sich mit weiteren Beobachtungen und Experimenten lösen“, sagt McEwen.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Spekulationen über Art und Größe von Wasservorkommen auf dem Mars. Sein Durchmesser ist mit 6794 Kilometern etwa halb so groß wie der unseres Heimatplaneten. Da der Marsäquator ähnlich geneigt ist wie der irdische, gibt es auch auf dem Mars Jahreszeiten. Ähnlich wie die Erde hat der Mars Polkappen. Die Temperaturen schwanken zwischen minus 125 und plus 35 Grad Celsius.

Im November ist der Start der Raumsonde „Curiosity“ in Richtung Mars geplant. Ab August 2012 soll sie zwei Erdenjahre lang auf dem Nachbarplaneten Daten sammeln.

via: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/Православни икони

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