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Von Wolken und Werbung

Microsofts Chefstratege Craig Mundie stellt sich als kommender Gates 2.0 vor. Und teilt seine ersten Visionen mit. Während Bill Gates sich in einer zweiten Karriere als komischer Darsteller in TV-Spots versucht, übt Craig Mundie dessen alte Rolle als Chief Technical Officer (CTO) von Microsoft aus.


Dazu befähige ihn, 16 Jahre mit Gates gearbeitet zu haben. Okay, er teile sich Gates’ bisherige Aufgaben mit Ray Ozzie. Während dieser sich um die Kommunikation nach innen kümmere, will er als “Außenminister von Microsoft” agieren – so nannte sich Mundie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Ozzie sei zuständig, so ungefähr die Produkte der nächsten 5 Jahre zu entwickeln, sein eigener Zeithorizont liege zwischen 3 und 20 Jahren.

In guter alter Gates-Manier sagt er voraus, die Funktionsweise des PCs am Arbeitsplatz werde sich in den nächsten 5 Jahren fundamental verändern: “Anwendungen, die im Internet laufen, das sogenannte Cloud computing, und Software auf dem Arbeitsplatzrechner werden zusammenwachsen. Ich sehe es als Schlüsselaufgabe für Ray Ozzie und mich, hier die Weichen zu stellen.”

Damit sich das für Microsoft rechnet, muss Werbung her:

“Es gibt drei Wege, für Software zu zahlen: Kauf, Abonnement und Werbung. Wir haben seit unserer Gründung vor mehr als 30 Jahren nur die ersten beiden Wege genutzt. Wenn wir nun aber anfangen, in Software-Programmen Werbung anzuzeigen, werden die Programme für die Verbraucher billiger – für uns ein neues Geschäftsmodell.”

Ach so, das kann Google schon lange? Auch kein Problem: “Na ja, Google ist eine sehr eng ausgerichtete Firma, die ihr gesamtes Geld auf einem einzigen Gebiet verdient. Sie versuchen dort aufzuholen, wo wir stark sind. Aber wenn man wie wir annimmt, dass es künftig eine ganze Bandbreite an verschiedenen Geräten gibt, betrieben mit Software, ist das viel schwieriger, als Rechenzentren zu betreiben, in denen ein paar Anwendungen laufen.”

Die jüngsten Fortschritte kommen von anderen, etwa von Apple mit dem Ipod oder von Google? Kann Gates 2.0 auch nicht beeindrucken: “Technisch gesehen ist doch da nicht viel Revolutionäres. So ist das immer: Zuerst werden viele einzelne Dinge erfunden, manche davon kommen auch schon auf den Markt. Aber am Ende kommt es zu einer Vereinigung all dieser einzelnen Techniken, erst dann verändert sich die technologische Welt von Grund auf. Und genau das wird wieder passieren, und zwar weil es bisher auch immer so passiert ist.”

Da sei wie bei einem Damm, hinter dem sich eine Menge Wasser staut. Bis jemand mit einer neuen Anwendung komme und damit das Schleusentor öffne. Das passiere so ungefähr alle 15 Jahre und sei in den nächsten 5 Jahren wieder fällig. Das soll dann ähnlich sein wie bei den letzten großen Veränderungen, an die er sich erinnern kann:

“Das waren die graphische Benutzeroberfläche zusammen mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, also Windows, Word und Excel.”

via: Süddeutsche Zeitung

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