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Vom Bauch ins Hirn

Alzheimer-Protein kann wandern. Verhängnisvolle Reise durch den Körper: Proteinbruchstücke, die für Alzheimer mitverantwortlich sind, können aus anderen Körperteilen ins Gehirn wandern und dort Schaden anrichten. Das haben Forscher bei versuchen mit Mäusen herausgefunden.

Gehirn (grafische Darstellung): Neue Theorie zur Wanderung von Alzheimer-Proteinen

Tübingen – Im Hirn von Alzheimer-Patienten spielt sich ein neuronales Massensterben ab: Nervenzellen quittieren den Dienst – erst wenige, dann immer mehr. Schuld daran sind nach aktuellem Kenntnisstand zwei Prozesse: Zum einen brechen in den Nervenzellen die Transportwege zusammen, zum anderen bilden sich sogenannte Plaques. Das sind Protein-Moleküle, die sich außerhalb der Nervenzellen aneinanderlagern und letztlich zu größeren Strukturen verklumpen und so die Funktion des Gehirns beeinträchtigen.

Zusammen mit Kollegen aus der Schweiz und den USA haben Forscher der Universität Tübingen nun herausgefunden, dass die fatalen Proteine offenbar aus anderen Körperteilen ins Hirn wandern können. Im Wissenschaftsjournal „Science“ berichten sie von der Entdeckung, die sie im Mäuseversuch gemacht haben.
Die Wissenschaftler hatten die Bruchstücke mit dem Namen beta-Amyloid in den Bauchraum genveränderter Mäuse injiziert. Später zeigten sich bei den Versuchstieren dann Veränderungen im Gehirn, wie sie typischerweise auch bei Alzheimer-Patienten vorkommen. Die Frage sei deshalb, sagte der Zellbiologe Mathias Jucker, ob es im Körper oder der Umwelt eine bestimmte Substanz gebe, die Alzheimer-Veränderungen im Gehirn auslösen könne.

Als vergleichbar mit den neuen Erkenntnissen sehen die Forscher sogenannte Prionenerkrankung an. Dazu gehört etwa die Rinderseuche BSE. Auch sie könne hervorgerufen werden, wenn die Prionen nicht direkt ins Gehirn, sondern in andere Teile des Körpers gespritzt würden. Doch gebe es bislang keine Hinweise darauf, dass sich Alzheimer auf natürlichem Wege übertragen könne. Das ist aber bei Prionenerkrankungen der Fall.

via: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/

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