Trend Enzyklopädie - Futureclick

Vermisste Materie gefunden

galaxien.jpg

Kosmische Spinnenfäden aus heißem Gas verbinden Galaxienhaufen. Eine Brücke aus heißem Gas haben deutsche und niederländische Astronomen zwischen zwei Galaxienhaufen entdeckt. Dieses Gas ist jene bislang vermisste Materie, die gemeinsam mit den Galaxien, Sternen und sichtbaren Gasen insgesamt rund fünf Prozent des Universums ausmachen soll, berichten die Forscher um Alexis Finoguenov vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching.

Die Existenz dieser Gasschleier war bereits vor rund zehn Jahren vermutet worden. Mit den Galaxien als Knotenpunkten bilden die Gase ein gigantisches kosmisches Netz.

bearbeitet_galaxien.jpg

In den Modellen der Astronomen besteht das Universum zu 72 Prozent aus der sogenannten Dunklen Energie, zu 23 Prozent Dunkler Materie und nur zu rund 5 Prozent aus der bekannten sichtbaren Materie mit ihren Atomen und Elektronen. Über die Beschaffenheit der Dunklen Energie und Dunklen Materie ist nur wenig bekannt. Doch selbst wenn Astronomen die sichtbare Materie in Galaxien, Sternen und Gasen zusammenzählen, kommen sie bislang nur auf die Hälfte der veranschlagten fünf Prozent. Wissenschaftler hatten daher vermutet, dass das Universum von hauchdünnen Gasfäden durchwebt ist, die Galaxienhaufen miteinander verknüpfen.

Durch ihre Messungen mit dem Röntgen-Weltraumteleskop XMM-Newton konnten die Forscher um Finoguenov diese Hypothese nun bestätigen. Da die dünnen Gasschleier durch einen Blick von der Seite nicht auszumachen sind, musste Finoguenov eine besondere räumliche Stellung zweier Galaxienhaufen finden. In rund 2.300 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Erde liegen die Haufen Abell 222 und 223 etwas versetzt hintereinander, so dass sich in der Sichtlinie entlang des Gasschleiers sehr viel strahlende Materie befindet. Das Gas hat eine Temperatur von hunderttausend bis mehrere Millionen Grad Celsius und sendet daher Röntgenstrahlung aus. Dieses heiße Gas ist ein Teil der bisher vermissten Materie, berichten die Forscher. „Nun können wir erstmals auch die Verbindungsfäden des kosmischen Spinnennetzes studieren“, sagt die an der Untersuchung beteiligte Forscherin Aurora Simionescu vom Max-Planck-Institut.

via: www.wissenschaft.de

Speak Your Mind