Trend Enzyklopädie - Futureclick

Tuning für den kahlen Weihnachtsbaum

W-baum

Aus dem beschaulichen Alfhausen bei Osnabrück will Erfinder Jürgen Wellmann mit seinem «Zweigersatzhalter» die Welt der Weihnachtsbäume revolutionieren. Mit Hilfe seiner patentierten Kombination aus einigen Zentimetern Kabelbinder und ein paar Plastikhülsen sollen sich Tannenbäume zweiter Wahl in optisch makellose Prachtexempare verwandeln.


Millionen Tannenbäume schmücken alljährlich zur Weihnachtszeit Wohnzimmer und Straßen in aller Welt. Nur knapp die Hälfte der Bäume ist erste Wahl. Der große Rest leidet meist unter kahlen Stämmen im oberen Teil. Diesen optischen Makel will der 45-Jährige mit der von ihm entwickelten Prothese beheben. Der Zweigersatzhalter wird einfach um den Stamm gewickelt und festgezurrt, die Hülsen mit überschüssigen Zweigen aus dem unteren Teil des Baumes gefüllt. Und fertig ist die Mogelpackung.

W-baum

«Das ist ein gutes Geschäft für alle», ist der Erfinder überzeugt. Zweite-Wahl-Bäume, wie sie zumeist von Großhändlern in Mengen vor Supermärkten angeboten werden, bringen in der Regel weniger als die Hälfte eines Qualitätsbaumes. Durch die Investition von rund 1,50 Euro pro Stück könne der Verkaufspreis ein wenig angehoben werden, wenn auch nicht auf das Niveau eines Baumes erster Wahl. Und die Kunden bekämen trotzdem für weniger Geld ein Prachtexemplar: «Wer nicht genau hinschaut, sieht das Teil gar nicht.»

Nach mehr als zweijähriger Tüftelei setzt Wellmann auf das Massengeschäft mit den großen Weihnachtsbaumhändlern. Endverbraucher werden den Halter nicht direkt kaufen können. Das Klinkenputzen bei Einzelhandelsketten sei erfolglos gewesen: «Zu kompliziert, nicht auf den ersten Blick zu erkennen» sei die Standardantwort gewesen, so Wellmann. Einige tausend Exemplare hat er nach eigenen Angaben schon verkauft, in den nächsten Monaten soll der Durchbruch erfolgen. Dabei setzt er auf die Ehrlichkeit der Händler: «Die müssen den Kunden schon die Wahrheit sagen. Heimlich und einfach so geht nicht.»

Der Erste mit einer derartigen Idee sei er nicht gewesen, gibt Wellmann zu: Ein Chinese habe Ähnliches schon einmal probiert, die Idee aber versanden lassen. «War zu kompliziert. Ich habe bis jetzt nicht verstanden, wie das funktionieren sollte.»

Wenig begeistert von der Innovation ist Bernd Oelkers, Vorsitzender des Verbandes der Weihnachtsbaum- und Schmuckgrünerzeuger in Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Er fällt ein vernichtendes Urteil: «Das ist kompletter Blödsinn und nicht durchdacht.» Die meisten Kunden stellten ihren Weihnachtsbaum heutzutage in mit Wasser gefüllten Ständern. Die Bäume blieben daher recht lange frisch – was natürlich nicht für die Zweigprothesen gelten würde: «Dann haben sie einen Zweigkranz in der Mitte, der kross und welk ist und jede Woche erneuert werden müsste.»

Via: News.de
икони

Speak Your Mind