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Texte schreiben mit dem Klavier

In rasanter Geschwindigkeit wirbeln die Finger von Klavierspielern über die Tastatur und verwandeln die Informationen eines Notenblattes in bezaubernde Musik. Manche Pianisten können doppelt so viele Noten pro Sekunde spielen, wie professionelle Schreibkräfte auf einer Tastatur Buchstaben eingeben können. Diese Fingerfertigkeit haben Saarbrücker Informatiker nun gezielt umgesetzt: Sie ordneten Buchstaben und Wörter bestimmten Tasten und Akkorden auf der Klaviertastatur zu. Geübte Klavierspieler, aber auch Hobbypianisten, können mit diesem System lernen, Texte so schnell wie trainierte Schreibkräfte auf der Computertastatur zu schreiben.

Die Forscher um Anna Feit vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken haben das System für die englische Sprache optimiert. Bei 26 Buchstaben und 88 Klaviertasten gab es mehr als 1.048 Möglichkeiten, um den Noten bestimmte Buchstaben zuzuweisen. Für die Zuordnung hat das Team sich an Statistiken orientiert, die zeigen, wie Buchstaben und Buchstabenpaare in englischen Texten verteilt sind. Mit einem Optimierungsalgorithmus haben sie dann den Buchstaben bestimmte Noten zugeordnet: Häufige Buchstaben werden mit Noten übersetzt, die besonders oft in Musik vorkommen. Dazu haben die Forscher Hunderte Musikstücke analysiert. „So haben wir musikalische Muster aufgespürt, die immer wieder auftauchen“, erklärt Feit. „Für unsere Arbeit war es wichtig herauszufinden, welche Noten und Akkorde wie oft vorkommen und wie die Übergänge in der Notenfolge aussehen.“ Das Ziel dabei: Die Buchstaben und Wörter so auf die Tasten zu übertragen, dass diese Notenfolgen bei der Texteingabe möglichst einfach gespielt werden können.

Geklimperte E-Mails

Für Buchstabenpaare wie „th“ oder „he“ haben sie häufige Intervalle wie Terzen oder Quinten verwendet. „Wichtig hierbei war auch, dass der Abstand zwischen den Buchstabentasten nicht zu groß wird, damit der Pianist die Notenfolge ohne Mühe spielen kann“, erklärt Antti Oulasvirta, ein beteiligter Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Informatik. Um zu große Abstände zu verhindern, haben die Forscher fast allen Buchstaben mehrere Noten zugewiesen: Je häufiger der Buchstabe ist, desto mehr Übersetzungen gibt es. Der Buchstabe „e“ zum Beispiel, der am häufigsten im Englischen vorkommt, kann durch vier verschieden Noten in verschiedenen Oktaven eingegeben werden. Für gängige Silben und Wörter haben sie zudem Moll- und Durakkorde genommen, was die Eingabe der ganzen Buchstabenfolge mit nur einer Bewegung ermöglicht.

Um die Praktikabilität zu überprüfen, baten die Forscher eine Probandin, die nur in ihrer Freizeit Klavier spielt, die Zuweisung von Buchstaben zu Noten beziehungsweise Akkorden auswendig zu lernen. Nach einem rund sechsmonatigen Training konnte sie dadurch circa 80 Wörter in der Minute verfassen. So kann sie schneller als mit der Tastatur, Freunden auf Facebook schreiben oder E-Mails verfassen. Nebenbei verbesserte sie mit den regelmäßigen Übungen auch noch ihr Klavierspiel. Wie es klingt, wenn jemand Klavier-spielend schreibt, zeigt ein Video der Forscher.

via: http://www.wissenschaft.de/

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