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Tauben merken sich Gesichter

Verblüffendes Experiment: Stadttauben haben offenbar ein gutes Auge für menschliche Gesichter. Dies haben Forscher bei einem Experiment mit frei lebenden Tieren in Paris herausgefunden. Selbst von wechselnder Kleidung ließen sich die Vögel nicht in die Irre führen.

Die Fähigkeiten von Stadtvögeln verblüffen Wissenschaftler immer wieder: Tauben können sich 800 bis 1200 verschiedene Bilder merken , sie beherrschen eine elementare Mengenlehre und sind sogar in der Lage, Gemälde verschiedener Künstler genauso gut auseinander zu halten wie Menschen. Dies hatten japanische Forscher bereits vor zehn Jahren gezeigt. Nach einer Trainingsphase konnten die Vögel Meisterwerke von Van Gogh und Chagall unterscheiden , selbst wenn sie die Bilder zuvor noch nie gesehen hatten.


Stadttaube an Weimarer Brunnen: Gesichtserkennung eingebaut?

Wie gut das visuelle Gedächtnis der Tiere ausgeprägt ist, zeigt nun ein neues Experiment von Forschern der Université Paris Ouest Nanterre La Défense. Dalila Bovet und ihre Kollegen schickten zwei Forscherinnen in verschiedenfarbigen Laborkitteln in einen Park im Zentrum von Paris. Beide gaben den Tauben Futter. Die eine Person ließ die Tiere in Ruhe fressen, während die andere die Vögel immer wieder verjagte.
Das Experiment wurde mehrfach wiederholt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Tauben auch dann der bösartig reagierenden Person auswichen, wenn diese sie gar nicht verscheuchte. Selbst nach einem Tausch der Laborkittel konnten die Vögel die beiden Personen zuverlässig unterscheiden. Offenbar orientierten sich die Tiere, die nicht trainiert worden waren, allein an den Gesichtern, berichteten Bovet und ihre Kollegen auf der Jahreskonferenz der Society for Experimental Biology in Glasgow.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Tauben die Forscher an ihren Gesichtern erkannt haben“, sagte Bovet. Denn es habe sich um zwei Frauen gleichen Alters, gleicher Statur und gleicher Hautfarbe gehandelt. Es sei bemerkenswert, dass sich die Vögel nicht an dem auffälligsten Merkmal, der Farbe der Kittel orientiert hätten, sondern am Gesicht. Dies zeige, dass die Tiere wüssten, dass die Kleidung kein gutes Unterscheidungsmerkmal von Menschen sei. Womöglich habe sich diese Fähigkeit durch das enge Zusammenleben mit Menschen in Städten entwickelt, spekulieren die Forscher.

via: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur

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