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Neuer Therapie-Ansatz gegen Alzheimer

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Dresdner Forscher haben eine neue Methode zur Behandlung von Alzheimer entwickelt: Sie rüsteten einen Wirkstoff mit einem Anker aus, damit er an Hirnzellen andocken kann. Die Ergebnisse erster Tierversuche sind vielversprechend.

Für Betroffene ist die Diagnose ein Schock. Wer Alzheimer hat, muss damit leben. Eine funktionierende Therapie gegen die Krankheit, bei der die Funktionsfähigkeit der Nervenzellen immer mehr nachlässt, gibt es bislang nicht. Betroffene verlieren ihr Erinnerungs- und Orientierungsvermögen. Das Erschreckende ist, dass Alzheimer wie auch Parkinson immer häufiger auftritt.

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Direkt in die Zelle: Die Kombination zweier Aufnahmen verdeutlicht, dass der mit einem Anker ausgestattete Wirkstoff dorthin gelangt, wo er Alzheimer tatsächlich hemmen kann: in die Zelle (Bild links)

Neue Hoffnung auf eine Therapie verbreiten nun Wissenschaftler vom Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik. Sie haben einen bislang wenig effektiven Alzheimer-Hemmer aufgerüstet. Anstatt die Wirkstoffe gegen die Bildung der Proteinplaques wie bisher üblich frei im Gehirn herumschwimmen zu lassen, statteten sie einen von ihnen mit einem speziell konstruierten Anker aus. Damit hakt sich der Wirkstoff in den Hüllen der Hirnzellen fest und gelangt so genau dorthin, wo ein entscheidender Schritt der Plaquebildung stattfindet.

Im Experiment mit Mäusen wurde die Effizienz des Hemmers auf diese Weise deutlich verbessert, berichten Kai Simons und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin „Science“. Der Forscher glaubt, dass bereits in etwa zwei Jahren klinische Studien beginnen könnten, eine mögliche Therapie sei frühestens in zehn Jahren zu erwarten.

Bisherige Wirkstoffe funktionieren nicht

Die typischen Plaques in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten entstehen, wenn ein Protein namens APP von einer molekularen Schere, der Beta-Sekretase, an der falschen Stelle gespalten wird. Dabei bilden sich Eiweißfragmente, die Abeta genannt werden und die Tendenz haben, miteinander zu verklumpen. Seit längerem gilt daher die Beta-Sekretase als Ziel für einen medikamentösen Ansatz gegen die Demenzerkrankung.

„Alle bisher verwendeten Stoffe, die die Sekretase im Labor blockieren, funktionieren aber nicht“, sagte Simons. Das Problem: Die Spaltung findet innerhalb kleiner Bläschen statt, die sich von der Zellmembran abschnüren und mit deren Hilfe Substanzen ins Zellinnere befördert werden. Genau dort aber kommen die normalen Sekretase-Hemmstoffe nicht hin.

Das Team von Simons koppelte daher an einen der kommerziell erhältlichen Hemmstoffe eine Art Distanzstück, dessen chemische Beschaffenheit der von fetthaltigen Zellmembranen ähnelt. Damit kann der Wirkstoff in die Membran eindringen und gerät so in die unmittelbare Nähe von Sekretase und APP. Im Gegensatz zur unveränderten Form kann diese Hemmstoffvariante die Abeta-Bildung sowohl im Reagenzglas als auch innerhalb lebender Zellen verhindern, wie die Forscher nun nachgewiesen haben.

Bei Tests mit Taufliegen und Mäusen, die zu einer alzheimerähnlichen Krankheit neigen, erwies sich die veränderte Form als sehr viel effizienter: Sie reduzierte die Bildung von Abeta innerhalb von vier Stunden auf die Hälfte, wohingegen der ursprüngliche Wirkstoff keinen Effekt zeigte.

Simons sieht großes Potential in seinem Ansatz. Zwar seien keine gezielten Tests auf Nebenwirkungen bei den Tieren gemacht worden. „Augenscheinlich sind jedoch keine aufgetreten, und auch in Zellversuchen war keine Toxizität nachweisbar.“ Zudem könne das Prinzip des Membranankers auch bei anderen Erkrankungen genutzt werden – etwa bei Allergien oder Infektionen.

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