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Neue Erde?

Spektakuläre Sichtung. Astronomen entdecken Schlüssel-Planeten im All. Erstmals haben Forscher einen fernen Himmelskörper aufgespürt, der den Planeten in unserem Sonnensystem ähnelt und genau untersucht werden kann. Die Astronomen schwärmen vom „Rosetta-Stein der Planetenforschung“ – und hoffen, dass der Gasriese zur Entdeckung einer zweiten Erde führt.


Schritt für Schritt tasten sich Planetenjäger an ihr großes Ziel heran: die Entdeckung einer zweiten Erde, die irgendwo im All um einen Stern kreist. Jetzt melden Forscher eine Entdeckung, die sie diesem Ziel erneut näherbringt: Erstmals haben sie einen Exoplaneten entdeckt, der auch in unser Sonnensystem passen könnte und intensiv untersucht werden kann.

Bei dem Himmelskörper namens Corot-9b handelt es sich um einen Gasplaneten, der in etwa so groß ist wie der Jupiter und ihm auch in seiner Zusammensetzung ähnelt: Er besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium. Allerdings ist es auf Corot-9b deutlich wärmer als auf dem durchschnittlich minus 108 Grad kalten Jupiter. Zudem sind seine Temperaturen recht konstant: Sie schwanken zwischen minus 20 und plus 160 Grad Celsius, schreiben die Forscher um Hans Deeg vom Astronomischen Institut der Kanaren im Fachblatt „Nature“.

Auch umkreist Corot-9b seinen Heimatstern äußerst langsam. Ein Jahr dauert für ihn 95 Tage – weit länger als für viele andere Gasplaneten, die mitunter in weniger als zwei Tagen einmal um ihren Stern rasen. Die Entfernung zu seinem Stern entspricht in etwa der zwischen Merkur und der Sonne.

Für den „meistversprechenden Aspekt von Corot-9b“ halten die Wissenschaftler aber etwas anderes: Er ist einer von nur 70 der insgesamt rund 400 bekannten Exoplaneten, die von der Erde aus gesehen direkt vor ihrem Stern vorbeiziehen. Wenn das geschieht, können irdische Teleskope das Lichtspektrum der Atmosphäre auffangen. Das ist bisher schon bei anderen Exoplaneten gelungen – aber noch nie bei einem, der denen unseres Sonnensystems ähnelt.

Damit werde Corot-9b „zum Rosetta-Stein der Exoplaneten-Forschung“, schwärmt Claire Moutou, ein Mitglied des 60-köpfigen Teams, dem die Entdeckung gelungen ist. Der Rosetta-Stein spielte eine Schlüsselrolle bei der Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, weil auf ihm der gleiche Text auch auf Altgriechisch eingemeißelt ist.

Der französische Planetenforscher Didier Queloz, der ebenfalls an der „Nature“-Studie beteiligt war, äußerte sich ähnlich: Corot-9b könnte „ein völlig neues Fenster“ zum Verständnis der Chemie von Planeten mit niedrigen Temperaturen öffnen – zu denen auch kleine Felsplaneten wie die Erde gehören. Die Wissenschaftler können mit Hilfe der sogenannten Transitmethode Daten wie die Masse, Dichte, Temperatur und Orbitalparameter eines Planeten erfassen. Außerdem hoffen sie, eines Tages Kohlendioxid, Methan und Wasser in der Atmosphäre von Corot-9b zu entdecken, wie es im „Nature“-Artikel heißt.

Ein solcher chemischer Fingerabdruck ist die Voraussetzung dafür, eines Tages Leben auf einem fernen Planeten zu entdecken. Corot-9b selbst aber beherbergt „mit Sicherheit“ keine Aliens, wie der deutsche Astronom Deeg betont. Das liege zum einen daran, dass es sich um einen Gasplaneten handele. Zum anderen seien Elemente wie Kohlendioxid, Wasser und Methan für sich genommen noch kein Zeichen für Leben. „Sie können auch allein durch anorganische Prozesse entstehen“, sagt Deeg zu SPIEGEL ONLINE.

Zudem ist nicht sicher, ob diese Elemente auch wirklich gefunden werden. „Die heute verfügbaren Teleskope können kein Spektrum der Atmosphäre von Corot-9b gewinnen“, erklärt Deeg. Dafür sei seine Entfernung zur Erde mit rund 1500 Lichtjahren zu groß. „Außerdem ist er nicht heiß genug. Seine Atmosphäre ist nicht ausreichend ausgedehnt.“ Erst die kommende Generation von Teleskopen könnte ein Spektrum der Atmosphäre des Planeten auffangen.

Corot-9b ist die jüngste Entdeckung des französischen Satelliten „Corot“, der speziell zur Suche nach Exoplaneten gestartet wurde. Sie birgt laut Deeg auch gute Neuigkeiten für das im März 2009 gestartete Weltraumteleskop „Kepler“. Denn Corot-9b sei gefunden worden, obwohl er verhältnismäßig weit von seinem Heimatstern entfernt seine Bahn zieht. „Das“, meint Deeg, „könnte bedeuten, dass ‚Kepler‘ erdähnliche Planeten entdecken kann.“

Via: www.spiegel.de/wissenschaft/weltall

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