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Mit Google telefonieren

Jetzt auch Internettelefonie: Google arbeitet an seiner Allgegenwart. Skype, duck dich: Google bohrt seinen E-Mail-Service um Telefonfunktionen auf. In den USA und Kanada kann man kostenfrei Festnetztelefone anrufen, international werden Gebühren fällig. In Deutschland ist der Dienst nur scheinbar aktiv, nutzbar ist er bisher nicht.

Google bietet in den USA und Kanada ab sofort Telefonverbindungen über das Internet an. Inhaber eines E-Mail-Kontos bei Google können jetzt von ihrem Web-Browser aus Gespräche mit anderen Internetteilnehmern oder in Fest- und Mobilnetzen führen, wenn sie in Googles-E-Mail-Dienst Google Mail eingeloggt sind, teilte der Konzern am Mittwoch in Mountain View mit.

Dazu müssen die Anwender ein Telefonieprogramm aus dem Internet laden und auf ihrem Rechner installieren. Alle Orts- und Ferngespräche innerhalb der USA und Kanada sind bis Ende 2010 kostenlos, internationale Verbindungen will der Suchdienst zu attraktiven Tarifen anbieten. Eine Gesprächsminute in das Festnetz in Deutschland kostet zwei Cent, Mobilverbindungen werden je nach Netzanbieter unterschiedlich berechnet. Zumindest im Vergleich zu europäischen Preisniveaus sind diese Tarife echte Schnäppchen – zumindest Skype, der größte internetbasierte Voice-over-IP-Dienst, gerät damit trotz eigener Tarife auf gleichem Niveau stark unter Druck.

Hierzulande allerdings bisher nicht. Am Donnerstagmorgen fanden deutsche Google-Mail-Nutzer zwar eine kleine Veränderung in ihrem Webmail-Dienst vor, aber damit erschöpfen sich auch schon die Veränderungen: Über den Chat-Funktionen in der linken Spalte prangt dort nun ein kleiner grüner Telefonhörer. Wer die dazu nötige Software noch nicht installiert hat, wird mit einem prominenten Hinweis auf diese Möglichkeit gestoßen.

„Call phone“ steht dann neben dem neuen Telefonsymbol. Wenn man darauf klickt, öffnet sich ein Wählfenster. Tatsächlich baut das Telefon-Applet sofort eine Telefonverbindung auf, doch Anrufen kann man damit trotzdem nicht: Außer dem Klingeln bekommen weder Anrufer noch Angerufener etwas zu hören. Ein seltsamer Fehler, denn alles scheint zu funktionieren – nur, dass man gar nicht bezahlen kann, selbst wenn man wollte.

Technisch Schnee von gestern – aber ziemlich dick

Der Telefondienst hat mehr strategische als technische Bedeutung: Solche Dienste gibt es seit vielen Jahren von etlichen Anbietern. Auch in Deutschland sind mehrere Dienste aktiv, die via Internet völlig kostenfrei sogar Gespräche zwischen Festnetztelefonen und Handys vermitteln: In der Regel hört man sich Werbung an und wird dann verbunden. Zu den Anbietern gehören spezialisierte Dienste wie Peter zahlt, aber auch Online-Auskunftsdienste wie GoYellow oder 11880.

Bisher sind solche Dienste allerdings meist Mehrwerte zu anderen Dienstleistungen, fristen ein Nischendasein, obwohl sie seit Jahren auf dem Markt sind. Googles schiere Größe verleiht dem Internet-Telefoniedienst eine ganz andere Relevanz – zumal, wenn man die zunehmende Abdeckung auch von Mobildiensten durch Google bedenkt. Googles große Ambition ist Allgegenwart bei allen Dingen, die mit Kommunikation und Information zu tun haben. Internetbasierte Telefonie ist ein weiterer Schritt, der zudem Googles an das Mail-Programm gebundene Messenger- und Chat-Programme aufwertet – die werden bisher eher wenig genutzt.

via: http://www.spiegel.de

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