Trend Enzyklopädie - Futureclick

Mehr Zigaretten – weniger Hirn

Mehr Zigaretten – weniger Hirn. Forscher finden bei Rauchern Defizite in der Kortex-Struktur. Raucher haben eine dünnere Großhirnrinde als Menschen, die noch nie in ihrem Leben eine Zigarette konsumiert haben. Das haben Forscher von der Charité Berlin und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt um die Psychologin Simone Kühn nachgewiesen, die aktuell an der Universität Gent in Belgien arbeitet. Die Wissenschaftler hatten dazu die Stärke der Großhirnrinde von insgesamt 43 Rauchern und Nichtrauchern verglichen. Die Hirnregion, die bei Rauchern dünner ist, nennt sich medialer orbitofrontaler Kortex und befindet sich im vorderen Teil des Großhirns. Sie ist für die Belohnung, die Impulskontrolle und das Treffen von Entscheidungen zuständig. Ob nun aber das Rauchen diese Region dünner macht oder ob Menschen mit einer dünneren Kortexregion eher zum Rauchen neigen, steht noch nicht fest.

Berühmt trotz Rauch. Pablo Picasso.

Die Forscher trieb die Frage an, wie die Dicke des Großhirns und die Nikotinsucht zusammenhängen. Um das herauszufinden, untersuchten sie die Gehirne von 22 Rauchern und 21 Menschen, die noch nie in ihrem Leben geraucht haben, mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen. Ergebnis des Vergleichs: Die Dicke des medialen orbitofrontalen Kortex war bei den Rauchern im Durchschnitt geringer als bei den Nichtrauchern. Je höher der tägliche Zigarettenkonsum war und je länger die Versuchsteilnehmer in ihrem Leben bereits geraucht hatten, desto dünner war diese Hirnregion.

Ursache und Wirkung bleiben allerdings noch unklar, betonen die Forscher. Zwar ist aus Tierversuchen bekannt, dass Nikotin die Entwicklung des Gehirns verändern und zu einer Schädigung von Nervenzellen führen kann. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass die verminderte Dicke der frontalen Kortexregion, die bei den Versuchsteilnehmern gefunden wurde, schon vorhanden war, bevor sie mit dem Rauchen begannen, so die Wissenschaftler. Möglicherweise handelt es sich um eine Prädisposition, also eine anatomisch-genetische Veranlagung, für die Nikotinsucht. In Zukunft wollen die Forscher deshalb herausfinden, ob sich die Hirnstruktur von Rauchern wieder normalisieren kann, nachdem sie das Rauchen aufgeben.

Simone Kühn (Universität Gent, Belgien) et al.: Biological Psychiatry

via: www.wissenschaft.de/wissenschaft

Speak Your Mind