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Mehr über Desertec

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Das 400-Milliarden-Solarprojekt. Öko-Strom aus der Wüste. Deutsche Großkonzerne wollen mit riesigen Solarstrom-Anlagen in der afrikanischen Wüste Energie erzeugen. „Es geht um die Gründung einer Industrieinitiative, die das Thema Wüstenstrom für Europa weiter voranbringen soll“, bestätigt ein Siemens-Sprecher. An die Spitze der Gruppe stellt sich der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück.


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Ab in den Süden: Spiegelarmee in der Wüste.

Der Initiative wollten sich 15 Unternehmen und Institutionen anschließen, darunter neben Siemens und der Münchener Rück auch die Deutsche Bank, hieß es bei Siemens. Die Energieversorger RWE und Eon stehen der Initiative ebenfalls nicht abgeneigt gegenüber. Auch Firmen aus dem Ausland soll der Zugang offenstehen.

Der Bau riesiger Solarkraftwerke in den Wüsten des Kontinents solle 400 Mrd. Euro kosten. Binnen zehn Jahren soll der erste Strom aus der Wüste fließen, sagte ein Münchener-Rück-Sprecher. Bereits für den 13. Juli sei die konstituierende Sitzung der Initiative in München geplant.

Nach Angaben der Münchener Rück haben auch Politiker aus Berlin und Brüssel sowie Vertreter nordafrikanischer Staaten ihr Kommen zu dem Treffen zugesagt. Innerhalb von drei Jahren sollen konkrete Umsetzungspläne erarbeitet werden. Allein der Bau solarthermischer Kraftwerke dürfte etwa 350 Mrd. Euro verschlingen. Der Rest fließt wohl in den Bau neuer Gleichstrom-Hochspannungsnetze, die den Strom unter anderem nach Deutschland leiten würden.

Begeisterter Rückversicherer

Die Firmen beurteilten die Erfolgsaussichten des Projekts unterschiedlich. „Dies ist keine ferne Vision mehr, sondern technologisch bestechend und auch realisierbar“, erklärte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek.

Im spanischen Sanlucar La Mayor bei Sevilla steht zu besichtigen, was Munich-Re-Chef Jeworrek südlich des Mittelmeers errichten will: Das Spiegelfeld eines Solarthermiekraftwerks.

Bei Siemens war man Feuer und Flamme für das sogenannte Desertec-Projekt, das auf Pläne des Club of Rome, einer Initiative von Wissenschaftlern und Politikern, sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zurückgeht.

„Desertec ist aus unserer Sicht ein visionäres und sehr spannendes Projekt. Eine Fläche von 300 mal 300 Kilometer mit Parabolspiegeln in der Sahara würde ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der Erde zu decken“, erklärte Siemens.

Die Energieriesen Eon und RWE wie auch die Deutsche Bank äußerten sich etwas zurückhaltender, erteilten einer Beteiligung an einem solchen Kraftwerksbau aber keine grundsätzliche Absage. Das sei ein interessantes Projekt, hieß es unisono. Entschieden sei aber noch nichts. Ähnlich äußerte sich der weltweitgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells.

Skepsis in der Solar-Branche

Deutschlands größte Solarfirma Solarworld sieht die milliardenschweren Pläne dagegen skeptisch. „Baut man die Solarkraftwerke in politisch instabilen Ländern, bringt man sich in die gleiche Abhängigkeit wie beim Öl“, sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck. Zudem gebe es noch keine Stromnetze, die diese Strommengen transportieren könnten. Grundsätzlich sei es aber richtig, Solarstrom dort zu produzieren, wo es am günstigsten sei.

Das Projekt gilt nach Einschätzung von Beobachtern als eine der größten privaten Ökostrom-Initiativen aller Zeiten. Trotz Wirtschaftskrise will das Konsortium damit den Kampf gegen den Klimawandel vorantreiben und sich weltweit an die Spitze der grünen Technologie stellen. Das Milliardenprojekt Desertec solle vor allem beweisen, dass sich Strom auf diese Weise auch wirtschaftlich produzieren lässt.

Stromquelle im Süden

Der Club of Rome, ein Zusammenschluss führender Wissenschaftler, Politiker und Manager, verfolgt die Idee afrikanischen Solarstroms schon seit Jahren. Bislang aber ließ sich kein Großprojekt in Afrika realisieren. Mittelfristig sollen auch europäische und nordafrikanische Partner für das ehrgeizige Projekt gewonnen werden.

Mit dem Milliardenprojekt wollen die Unterzeichner das ungeheure Energiepotenzial in den Wüsten südlich des Mittelmeeres erschließen. Denkbar seien Solarkraftwerke an mehreren Standorten in Nordafrika, erklärte Jeworrek. Wichtigstes Kriterium: Die Anlagen müssen in politisch stabilen Ländern stehen. „Technisch ist das Projekt realisierbar“, sagte Jeworrek.

Machbar, erprobt und kalkulierbar

In der kalifornischen Mojave-Wüste und in Spanien gebe es bereits erste Anlagen. Die Kraftwerke bündeln über Spiegel Sonnenlicht, erhitzen Spezialöl und wandeln dessen Wärme in Wasserdampf für den Antrieb von Turbinen um. Damit unterscheiden sie sich von Photovoltaik-Anlagen, die Strom direkt produzieren.

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Ein Turm, ein paar Spiegel und schon fließen die Megawatt?

Hohe Kosten dürften unter anderem bei der Erschließung und der Übertragung des gewonnenen Stroms in die deutschen Netze entstehen. Neuland betritt das Vorhaben auch hinsichtlich des Einflusses eines solchen Großprojekts auf die regionale Wirtschaftsstruktur. Offen sind zum Beispiel eine mögliche Vergütung für die Flächennutzung, die Höhe der Wartungskosten, Entgelte für die Stromdurchleitung und Fragen der Investitionssicherheit.

Das energiepolitische Ziel des Konsortiums ist hoch gesteckt. Über Desertec ließen sich beim geplanten Investitionsvolumen etwa 15 Prozent der europäischen Stromversorgung decken, glaubt Jeworrek. Das Projekt soll sich seinen Angaben zufolge langfristig selbst tragen. „Es braucht natürlich am Anfang eine gewisse Investitionssicherheit, zum Beispiel eine Abnahmegarantie zu einem bestimmten Preis“, sagte Jeworrek.

Der Strom dürfe aber nicht dauerhaft subventioniert werden. Wettbewerbsfähig soll Desertec demnach in zehn bis 15 Jahren sein.

via: www.n-tv.de

see more: www.desertec.org

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