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Mehr Kinder mit Freunden

Delfinstudie: Freunde steigern Fortpflanzungserfolg – Soziale Kontakte fördern den Nachwuchs. Gemeinsam sind sie stärker: Delfinmütter, die enge soziale Verbindungen pflegen, kriegen mehr Junge. Die Gefährtinnen lernen voneinander und schützen sich gegen Feinde. Doch auch individuelle Eigenschaften entscheiden über den Fortpflanzungserfolg.

Für Delfinmütter zahlen sich neben guten Genen auch gute Freundinnen aus: Australische Forscher konnte zeigen, dass der Fortpflanzungserfolg von Flaschennasendelfinen umso größer ist, je mehr soziale Kontakte sie pflegen.

Über zwei Jahrzehnte analysierten die Wissenschaftler um Celine Frère von der University of New South Wales sowohl den Verwandtschaftsgrad als auch die Beziehungen innerhalb einer Population von Flaschennasendelfinen in der Meeresbucht Shark Bay im Westen Australiens. Sie ermittelten außerdem, wie viele Kälber die Delfinweibchen in dieser Zeit erfolgreich zur Welt brachten. Wobei als Erfolg gewertet wurde, wenn die Kälber mindestens drei Jahre alt wurden. Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden jetzt im Fachmagazin „PNAS“veröffentlicht.
Die meisten erfolgreiche Geburten hatten demnach die Delfine, die gute Erbanlagen mitbrachten und viele soziale Kontakte zu anderen Weibchen pflegten. Brachte ein Delfinweibchen viele Kälber zur Welt, waren auch ihre weiblichen Verwandten und Gefährtinnen mit Kinderreichtum gesegnet.

Wie die Biologen zeigten, verbesserte auch jeder Faktor für sich die Überlebenschancen des Nachwuchses, allerdings nicht in gleichem Maße. Offenbar verstärkten sich individuelle Eigenschaften und soziale Verbindungen: Auf der einen Seite prägen Gene den Körperbau, das Immunsystem und kognitive Fähigkeiten, die für den Erfolg als Mutter entscheidend sein können. Andererseits lernen die Gefährtinnen voneinander, wie sie die Jungtiere am besten versorgen und beschützen können.

Bei Gefahr schließen sich die Weibchen außerdem zusammen. „Die Delfine in dieser Population werden oft von Haien attackiert“, erläutert Biologin Frère, „der Schutz durch andere Weibchen hilft möglicherweise auch bei der Fortpflanzung.“ Schließlich sei es effektiver, wenn mehrere Mütter mehrere Jungtiere verteidigten als wenn jede alleine mit einem Angreifer fertig werden müsse.

Große Tümmler haben – ähnlich wie Menschenaffen – einen besonders langsamen Lebenszyklus. Sie werden spät geschlechtsreif, die Abstände zwischen einzelnen Geburten sind sehr groß und auch die Brutpflege dauert lange – in den ersten drei Jahren sind die Kälber vollständig von ihren Müttern abhängig.
Erwachsene Tiere leben nach Geschlechtern getrennt in Gruppen zusammen. Die Größe und Zusammensetzung dieser Gruppen variiert jedoch ständig. Dazu passt, dass die Dauer der Sozialkontakte in der Studie keinen Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg hatte.

Laut Celine Frére gab es bisher nur wenige Studien, die einen direkten Zusammenhang zwischen sozialen Parametern und dem Fortpflanzungserfolg wilder Säugetierpopulationen zeigen konnten. Von besonderem Interesse sei es nun, herauszufinden, wie genetische und soziale Faktoren zusammen wirken.

via: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/

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