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Klonen: Die Revolution hat längst begonnen

Heute können Schweine, Kühe oder Schafe aus Zellen geklont werden, die man zuvor im Labor präpariert hat. Deren Gene lassen sich nach Wahl verändern. So entstehen Tiere mit Spezialeigenschaften: die Kuh, die Medikamente produziert, oder das Schwein mit Organen, die in Menschen verpflanzt werden können.


Ein geklontes Tier zu erzeugen kostet, je nach Art, zwischen 10.000 und 100.000 Euro. Tierzucht, Pharmaindustrie und Organverpflanzungen werden davon profitieren.

• Die Firma Hematech hat sich auf die Klon-Kuh spezialisiert. Rinder-Antikörper werden aus dem Tier entfernt, dafür die Antikörper-Gene des Menschen eingepflanzt. Mit den Antikörpern aus dem Kuhblut können dann immunschwache Menschen geschützt oder Patienten gerettet werden, die sich mit resistenten Keimen infiziert haben.

• In den USA werden sehr leistungsfähige Bullen oder sehr fruchtbare Kühe per Klonen vervielfältigt. Züchter können mit mehreren Kopien desselben Tieres dessen Gene in einer Zucht-Population schneller verbreiten. Manche Züchter entnehmen ihren Kälbern etwas Gewebe aus dem Ohr und lassen es einlagern – für den Fall, dass sich das Kalb später als Superbulle erweist.

• An der Universität München züchten Forscher geklonte Schweine. Deren Organe sollen dereinst für Xenotransplantationen (vom Tier zum Menschen) zur Verfügung stehen. Hier könnte ein Markt mit einem Volumen von 20 bis 100 Milliarden Dollar entstehen.

Die Aufgabe: Die menschliche Körperabwehr zerstört tierische Organe sofort. Deshalb müssen die Marker-Moleküle, die das Material als tierisch kennzeichnen, mit Mitteln der Gentechnik entfernt werden.

Weitere Projekte: Bernhard Hering von der University of Minnesota will ab 2010 Insulin produzierende Zellen von Schweinen in Menschen verpflanzen – das könnte eine defekte Bauchspeicheldrüse reparieren; eine gute Botschaft für 5,1 Mio. Typ-I-Diabetiker, die es allein in Deutschland gibt.

• Weitere Anwendungen beim Menschen: Aus Stammzellen eines Klonembryos lässt sich jeder im Körper benötigte Gewebetyp herstellen. Dieses Gewebe wird nicht abgestoßen, weil es mit dem Zellmaterial des Spenders identisch ist. So kann aus einem Hautfetzen ein neues Organ erzeugt werden, so die Idee von Rolf Jaenisch.

Engpass bislang: Menschliche Embryos sind nur sehr begrenzt verfügbar.

Fazit: Geklonte Tiere werden die pharmazeutische Industrie, die landwirtschaftliche Tierproduktion und die Transplantations-Medizin verändern. Auf dem Weg zum industriellen Erfolg gibt es freilich noch Hindernisse – das ist die derzeit geringe Erfolgsrate des Klonens. 80 bis 97 Prozent der Klone schaffen es nicht bis zur Geburt.

Kuh „Jewel“ mit genetischer Doppelgängerin. In der US-Landwirtschaft ist Klonen schon an der Tagesordnung.

Kontakte: Heiner Niemann ist Experte zum Thema bei der Bundesforschungsanstalt für Tiergesundheit, Tel: 0531/596 1003;

James Robl ist Inhaber der Firma Hematech, die die Antikörper-Kuh herstellt: www.hematech.com;

Klonkühe: Trans Ova Genetics, www.transova.com;

Eckhard Wolf, Moorversuchsgut Oberschleißheim, München, Tel: 089/2180 76800; Rolf Jaenisch, Whitehead Institute, Boston, Tel: 001-617/258 5189;

sowie Analyse von Sascha Karberg, Titel: „Dollys Erben“ in: Brandeins 03/08, www.brandeins.de

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