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Internet-Nachrichten hängen Zeitungen ab

US-Studie: Das Internet wird zur wichtigsten Nachrichtenquelle: Eine jährliche Studie zeigt, dass US-Bürger Nachrichten häufiger im Netz lesen als in der gedruckten Zeitung. Nur das Lokalfernsehen wird häufiger genutzt – noch. Verlagen und Sendern droht ein Kontrollverlust.

Sie verlieren alle Reichweite: Lokalfernsehen, überregionales Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften und Radiosender in den USA. Gleichzeitig informieren sich immer mehr US-Bürger im Internet über das aktuelle Tagesgeschehen. Der Nachrichtenkonsum im Internet stieg im vergangenen Jahr um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Forschungsinstituts Project for Excellence in Journalism (PEJ) hervorgeht.

Damit verkündet die regelmäßig durchgeführte Studie eine Premiere: Das Internet hängt die Zeitung als Informationsmedium ab. Der Anteil der Befragten, die mindestens drei Mal pro Woche Nachrichten aus dem Internet beziehen, sei größer gewesen als der Anteil derjenigen, die sich mindestens drei Mal pro Woche Zeitungen lesen.

Erste Anlaufstelle seien für die Mehrheit der befragten US-Bürger ist aber nach wie vor die örtlichen Fernsehnachrichtenprogramme, so das Ergebnis der Studie. Allerdings sehe es so aus, dass das Internet auch die Fernsehnachrichten vom ersten Platz verdrängen wird, wie Projektleiter Tom Rosenstiel sagte. Der Studie zufolge gaben im Dezember 41 Prozent der befragten US-Bürger an, die meisten US- und internationalen Nachrichten aus dem Internet zu beziehen. Das seien mehr als doppelt so viele wie noch im Vorjahr.

Die Einnahmen aus Online-Werbung sollen in diesem Jahr die aus Zeitungsanzeigen erstmals übertreffen, sagte Rosentiel. Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht. Die Auflagen der US-Zeitungen seien 2010 erneut gesunken, der Abwärtstrend habe sich aber etwas abgeschwächt. Die Zeitungskrise in den USA macht sich auch in den Redaktionen bemerkbar: Im Vergleich zum Jahr 2000 gab es im vergangenen Jahr 30 Prozent weniger Angestellte.

Im digitalen Zeitalter, so die Autoren der Studie, seien Verlage und Sender zunehmend von Geräteherstellern wie Apple und Softwarefirmen wie Google abhängig, um ihre Inhalte zu den Kunden zu bringen. Dieser Kontrollverlust sei ein grundlegender Wandel – und stelle die Verlage vor noch größere Herausforderungen als sinkende Leser- und Zuschauerzahlen sowie die Suche nach neuen Erlösmodellen.

via: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/

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