Trend Enzyklopädie - Futureclick

Fünf Trends, die unsere Städte für immer verändern werden

Mehr als 200.000 Menschen ziehen jeden Tag vom Land in die Stadt. Schon in drei Jahrzehnten, schätzen die UN, werden so viele Menschen in Ballungszentren leben wie heute auf dem ganzen Planeten. Wenn jeder von ihnen ein Auto mit zweistelligen Verbrauchswerten fährt, ist das die Horrorvorstellung für jeden Städteplaner und Stadtbewohner.

Denn der Verkehr wird bei Weitem nicht das einzige Problem der Metropolen sein. Die Rohstoffe werden knapp und zugleich nimmt die Umweltverschmutzung zu. In Sao Paule landet fast die Hälfte der Abwässer ungeklärt in Flüssen, Peking erstickt im Smog, New York leidet unter Blackouts und Rom erstickt im Verkehr.

Städte in aller Welt werden also lernen müssen, ihren Boom zu verwalten. Wir stellen fünf überraschende Ideen vor, die rund um dem Globus entstehen und das Potenzial haben, unsere Städte für immer zu verändern.

1. Intelligente Stadt – IT für Megacitys

Im PC-Spiel SimCity errichtet der Spieler auf einem verlassenen Karree eine neue Metropole und schlüpft in die Rolle des allwissenden Städtebauers. Wirtschaft, Bildung, Verkehr, Umweltverschmutzung – das Spiel zeigt alles in übersichtlichen Diagrammen und Datenkarten. Etwas, was für echte Bürgermeister wie ein Wunschtraum klingen muss.

Denn stellen Sie sich eine reale Stadt wie einen riesigen Organismus vor: Straßen durchziehen sie wie Blutbahnen, Parks reinigen die Luft („grüne Lunge“) und Energie, Nahrung und Wasser halten das System am Leben. Ein ziemlich dummes System, denn es fehlt etwas Entscheidendes: ein zentrales Nervensystem und ein Gehirn, das Informationen daraus verarbeiten kann.

Genau das wollen Forscher aus aller Welt ändern. Sie wollen unsere Städte mit Kameras, Sensoren und Software ein Gehirn verpassen.

Beispiel: 20 Minuten suchen Autofahrer im Schnitt nach einem Parkplatz, hat die Softwarefirma IBM ermittelt – und verschwenden so tonnenweise Treibstoff. Das Start-up Maltemedia testet deswegen Kameras an Häuserecken, die freie Parkflächen ausspähen und das an Navigationsgeräte weitergeben.

Ein weiteres Beispiel: Das finnische Start-up Enevo hat einen Sensor entwickelt, der die Müllabfuhr revolutionieren soll. Er meldet an eine Zentrale, wenn eine Tonne voll ist – eine Software errechnet dann den schnellsten und effizientesten Weg für die Müllabfuhr durch die Stadt. Sie kommt dann nicht mehr wöchentlich, sondern nur dann, wenn sie wirklich gebraucht wird.

2. Aufsatteln – Weniger Autos!

Der Designer Mikael Colville-Andersen ist ein erklärter Autohasser. „Autos sind Städtekiller“, sagt er in einem Interview mit dem Internetportal Mashable. Sie verschmutzten die Stadt, verstopften die Straßen, machten unglaublich viel Lärm und sorgten für Unfälle. Colville-Anderson träumt deswegen von einer autofreien Stadt, in der Personen alleine mit Bussen, Bahnen und Fahrrädern von A nach B kommen.

So weit wird es wohl nie kommen – aber das Auto verliert tatsächlich an Bedeutung, zumindest auf der Agenda der Städteplaner. Sie werden sich in Zukunft intensiver denn je auf den Öffentlichen Nahverkehr und Fahrräder konzentrieren. Vor allem das Rad hat das Potenzial zum schnellsten und einfachsten Verkehrsmittel.

Wie es gehen kann, zeigt gerade die Zehn-Millionen-Stadt London, bislang nicht als besonders fahrradfreundlich bekannt. Bürgermeister Boris Johnson investiert eine Milliarde Euro in neue Fahrradwege, zum Beispiel in eine Zweirad-Autobahn vom Speckgürtel der Stadt ins Zentrum und einen visionären, schwebenden Radweg über den Dächern. Japans Hauptstadt Tokio investiert in Tiefgaragen für Bikes. Und New York hat vor Kurzem eines der größten Bike-Sharing-Systeme der Welt gestartet, das ähnlich funktioniert wie Car-Sharing.

Welches Potenzial nicht nur für den Personenverkehr besteht, hat kürzlich eine EU-Studie ermittelt. Sie hat Daten aus 322 Städten analysiert und herausgefunden, dass jede zweite Fracht mit dem Fahrrad statt mit einem Transporter geliefert werden kann. Der Lieferdienst TNT und die Deutsche Post, Pizzabuden und Kurierdienste beliefern jetzt schon so ihre Kunden.

3. Großstadtdschungel: Hochhäuser werden grün

Wie kann eine Stadt grüner werden, die beinahe vollständig zubetoniert ist? Die Grünflächen weichen neuen Straßen, die Luft wird schmutziger. Eine Studie hat gezeigt, dass US-amerikanische Städte vier Millionen Bäume pro Jahr verlieren.

Rund um den Globus entstehen deswegen sogenannte Farmscrapers, die Land- und Forstwirtschaft zurück in die Zentren der Megametropolen bringen. In Mailand etwa eröffnete der „Bosco Verticale“, der erste vertikale Wald Europas. Auf dem bewohnbaren Hochhaus werden 900 Bäume und Tausende Pflanzen sowie Büsche wachsen. In Singapur forsten Architekten einen 20-stöckigen Wolkenkratzer auf – insgesamt sollen bis 2030 50 Hektar Grünfläche auf Dächern und Fassaden entstehen. Und in China sind ebenfalls solche grünen Hochhäuser geplant. Sie reinigen die Luft, filtern Staub und absorbieren CO2.

4. Geisterfahrer: Selbstfahrende Autoflotte

Ann Arbor, westlich von Detroit, soll die weltweit erste Stadt mit selbstfahrenden Autos im Nahverkehr werden. „So wollen wir zeigen, dass die Technik sicher, effektiv und kommerziell erfolgreich sein kann“, sagt Peter Sweatman. Er ist Direktor des Mobility Transformation Center, eines Verbundes von Regierung, Industrie und der Universität Michigan, die gemeinsam an einer automatisierten Autoflotte forschen.

Bis 2021 soll eine komplett autonome Flotte durch die Straßen fahren. Sweatman sieht in dem Projekt großes Potenzial. „Selbstfahrende Autos machen den Verkehr sicherer und umweltfreundlicher“, ist er überzeugt. Sie könnten wie Taxis unterwegs sein, die man per Smartphone rufen kann. Ähnlich wie beim öffentlichen Nahverkehr wäre ein Monatsabo denkbar – und ein privater Pkw beinahe überflüssig.

Es wird aber noch etwas dauern, bis Unternehmen so weit sind. Google lässt fahrerlose Autos durch Kalifornien fahren und Mercedes – einer der größten Autohersteller der Welt – will die Technik bis 2020 bis zur Serienreife bringen. Vor Kurzem fuhr eine Robotor-S-Klasse von Mannheim nach Pforzheim ohne einen einzigen Eingriff des Fahrers. 2035 sollen dann schon 100 Millionen autonome Autos verkauft werden.

5. Minikraftwerke: Jeder wird sein eigener Energieversorger

Städte sind für 80 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich – und einen gewaltigen Anteil daran haben veraltete Häuser mit einer ineffizienten Energieversorgung. In der Stadt der Zukunft wird jedes Haus ein kleines Kraftwerk sein, das Energie produziert, speichert und mit anderen teilt.

Schauen Sie sich kurz um, wenn Sie gerade unterwegs sind. Wie viele Dächer sehen Sie noch ohne Solarmodule? Wahrscheinlich eine Menge. Nun stellen Sie sich vor, dass all diese Dächer in den kommenden Jahren mit Solarmodulen bepflastert werden wie einst Feldwege mit Beton. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Der Preis für Solarmodule sinkt beinahe täglich, während Strompreise unaufhörlich steigen.

Noch einen Schritt weiter geht das Unternehmen Prior1. Sie wollen Algen an Hochhausfassaden anbringen, um sie zur Stromproduktion zu nutzen. Gar nicht so abwegig ist die Idee, wie sie vielleicht klingen mag, denn: Algen nehmen klimaschädliches CO2 auf und produzieren durch Photosynthese Methan. Damit wollen die Ingenieure eine Blockheizkraftwerk betreiben, das das Gebäude mit Strom versorgt.

via: http://www.huffingtonpost.de/

Speak Your Mind