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Forscher finden Leuchtfeuer aus der Frühzeit des Alls

Rekord-Quasar. Es ist ein seltener Blick in die Frühzeit des Universums: Astronomen haben einen Quasar entdeckt, der fast so alt ist wie der Kosmos selbst – und schon kurz nach dem Urknall eine gigantische Masse besaß. Sie ist so groß, dass sie die Theorie zur Entstehung Schwarzer Löcher in Frage stellt.

Quasare gehören zu den mächtigsten Erscheinungen im Universum. Nur explodierende Sterne und Gammablitze setzen noch mehr Energie frei, und das auch nur für kurze Zeit. Ein Quasar aber leuchtet dauerhaft, und das bis zu Hundert Billion Mal heller als unsere Sonne. Anfangs wurden diese kosmischen Leuchtfeuer wegen ihrer Helligkeit für nahe Sterne gehalten – bis sich herausstellte, dass sie bloß aufgrund ihrer großen Entfernung selbst in den größten Teleskopen noch als punktförmig und damit „quasi-stellar“ erscheinen.

Jetzt haben Astronomen erneut einen Quasar entdeckt – allerdings nicht irgendeinen: Das Objekt mit der etwas sperrigen Bezeichnung ULAS J1120+0541 ist der am weitesten von der Erde entfernte Quasar, der bisher bekannt ist, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature“. Unvorstellbare 12,9 Milliarden Jahre sei sein Licht zu uns unterwegs gewesen. Damit ist der Quasar nur 800 Millionen Jahre jünger als das Universum selbst, das 13,7 Milliarden Jahre Lenze zählt.

Quasare sind die Kerne aktiver Galaxien, in deren Zentren sich extrem massereiche Schwarze Löcher verbergen. Die Moloche können die milliardenfache Masse unserer Sonne erreichen. Das Schwarze Loch im Zentrum von ULAS J1120+0541 bringt es nach den Berechnungen der Astronomen auf zwei Milliarden Sonnenmassen. Dennoch fressen diese Giganten die Materie, die sie anziehen, nicht sofort. Sie rotiert in einer Scheibe um das Schwarze Loch, die extrem hell strahlen kann – mitunter heller als die gesamte umgebende Galaxie.

„Wertvolle Einblicke in das frühe Universum“

„Dieser Quasar verschafft uns wertvolle Einblicke in das frühe Universum“, erläuterte Forschungsleiter Stephen Warren vom Imperial College London. „Es handelt sich um ein sehr seltenes Objekt, das uns zu verstehen helfen wird, wie supermassereiche Schwarze Löcher einige Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall an Masse zugenommen haben.“

Nach den gängigen Theorien sollten Schwarze Löcher eigentlich langsam gewachsen sein. Demnach aber dürfte es einen Riesen wie den im Zentrum von ULAS J1120+0541 gar nicht geben, da er weniger als 300 Millionen Jahre nach den ersten Sternen entstanden ist. Wie der Quasar dennoch seine enorme Masse erreichen konnte, ist den Wissenschaftlern bislang ein Rätsel.

Zwar seien noch weiter entfernte Objekte und Ereignisse beobachtet worden, heißt es in einer Mitteilung der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Garching. Doch der jetzt entdeckte Quasar sei mehrere hundert Mal heller und daher mit Abstand das fernste Objekt, das detaillierte Untersuchungen erlaube. Die Forscher vermuten, dass es am gesamten Himmel nur etwa 100 ähnlich weit entfernte Quasare gibt.

Warren und seine Kollegen haben J1120+0641 unter Millionen von Objekten aufgespürt, die im Rahmen einer Durchmusterung des Himmels im infraroten Strahlungsbereich katalogisiert worden waren. Präzise Untersuchungen des Spektrums von J1120+0641 am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile sowie am Gemini-Nord-Teleskop auf Hawaii zeigten den Astronomen dann die Rekord-Entfernung des Quasars. Die Fahndung nach J1120+0541 hat fünf Jahre in Anspruch genommen.

via: http://www.spiegel.de/wissenschaft

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