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Forscher entziffern Erbgut des Nacktmulls

Methusalem-Tier. Nacktmulle bekommen keinen Krebs und werden steinalt. Forscher haben nun das Erbgut des faszinierenden Nagetiers entziffert – und hoffen auf neue Erkenntnisse über das Altern und die erstaunliche Widerstandskraft des Nacktmulls. Hässlich, aber fit bis ins hohe Alter: Nacktmulle faszinieren Forscher immer wieder aufs Neue. Nun haben Wissenschaftler das komplette Erbgut des unterirdisch lebenden Nacktmulls kartiert, wie eine Gruppe um Vadim Gladyshev von der US-amerikanischen Harvard Medical School in Boston in der Online-Ausgabe des Fachjournals „Nature“ berichtet.

Nacktmull: Fit bis ins hohe Alter

Die Forscher wollen mit ihrer neuen Genkarte den Besonderheiten der Tiere nachspüren. Denn die mausgroßen Nagetiere können bis zu 30 Jahre alt werden und bleiben bis an ihr Lebensende fit. Mäuse hingegen erreichen gerade einmal ein Alter von vier Jahren.

Nach bisherigen Erkenntnissen bekommen Nacktmulle zudem keinen Krebs, und selbst Versuche mit krebserzeugenden Chemikalien lösen kein Tumorwachstum bei ihnen aus. US-Forscher konnten bereits herausfinden, dass Nacktmull-Zellen nicht so dicht wachsen wie die von Mäusen und Menschen. Der Grund: Die Tiere besitzen einen speziellen Mechanismus, der übermäßiges Wachstum von Zellen unterdrückt, die sogenannte Kontaktinhibition. Sie stoppt ab einer gewissen Dichte die Vermehrung von Zellen. Ausgelöst wird sie durch den Kontakt der Zellen untereinander. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum die Tiere nicht an Krebs erkranken.

Bis zu 27 Nachkommen auf einmal

Die Wissenschaftler um Gladyshev berichten, dass sie im Genom der Nacktmulle bereits einzigartige Merkmale entdeckt haben: Diese könnten die erstaunliche Widerstandskraft der Tiere erklären, warum sie keine Haare haben, so alt werden, unempfindlich gegenüber Sauerstoffmangel sind, einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus haben und mit wenig Licht auskommen. Die neuen Daten eröffneten neue Möglichkeiten, um das Altern zu verstehen und die Forschung im Bereich der Biologie und Biomedizin voranzutreiben, schreiben die Wissenschaftler in „Nature“.

Der Nacktmull (Heterocephalus glaber) lebt in unterirdischen Kolonien in ewiger Dunkelheit, bei geringem Sauerstoffgehalt und viel Kohlendioxid. Seine Gesellschaftsstruktur erinnert eher an die von Bienen. Nur eine einzige Königin sorgt für alle Nachkommen, bis zu 27 kann sie produzieren – auf einmal.

via: http://www.spiegel.de/wissenschaft/

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