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Energiequelle der Zukunft: Müll

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Stinkenden Abfällen werden derzeit neue Reize abgewonnen: Die steigenden Preise für Öl und Gas machen erfinderisch, und die Inhalte von Restmüll- und Biotonnen lassen sich verbrennen, vergären oder vergasen. Die bisher weggeworfenen Reste aus Haushalt und Gewerbe eignen sich bestens, um daraus Strom und (Prozess-)Wärme zu gewinnen.


Und da die Müllmischungen in unseren grauen Abfalltonnen zu rund 60 Prozent biogenen Ursprungs sind (bei Biomüll liegt der Anteil bei nahezu 100 Prozent), vermindert deren energetische Nutzung, so der Fachbegriff, in erheblichem Umfang die in die Atmosphäre entweichenden Kohlendioxidfrachten, weil sie fossile Brennstoffe ersetzen. Das hat einen doppelten Effekt: Man gewinnt Energie und entlastet die Umwelt.

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Doch was heute unter dem Schlagwort „Energie aus Abfall“ zusammengefasst wird, ist so neu nicht. Rund 75 Prozent unseres Restmülls landet bereits in Müllverbrennungsanlagen. Nur ist deren Energieausbeute geringer, als sie sein könnte. Denn die Anlagen, die wegen schlechter Filterleistungen lange als Dioxinschleudern bezeichnet wurden, hat man meist auf der grünen Wiese gebaut, so dass die anfallende Wärme nicht genutzt werden kann. Hier ließe sich nachbessern. Volker Weiss, Fachbereichsleiter Abfallbehandlung beim Umweltbundesamt, hat kalkuliert, dass bei einem Komplettanschluss aller Müllöfen an ein Fernwärmenetz der Ausstoß an Kohlendioxid um etwa drei Millionen Tonnen im Jahr sinken würde. Der Nachteil: Dazu müssten für Millionen Euro Leitungen verlegt und möglichst auch während der Sommermonate Abnehmer für die Wärme gefunden werden.

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Nur noch „warme Luft“ aus Deutschlands Schloten

Auf deutlich schlechtere Energieerträge als die 66 deutschen Müllöfen, die jährlich mit rund 18 Millionen Tonnen Restmüll gefüttert werden und aus deren Schloten dank strengster Umweltauflagen heute nur noch „warme Luft“ entweicht, kommen die lange von grünen Umweltpolitikern als vermeintlich sanfte Technik favorisierten mechanisch-biologischen Anlagen (hier landet der Müll, der nicht verbrannt wird). Das ist verfahrensbedingt. Denn die in Rotteboxen oder Gärtanks ablaufenden chemischen und biologischen Prozesse laufen nur dann rund, wenn sich die für den Abbau zuständigen Mikroorganismen wohl fühlen. Dazu müssen sie es warm haben, und daher verbrauchen sie einen Großteil der frei werdenden Wärme selbst.

Doch das ist nicht das einzige Manko dieser Verfahren: Da man damit den biologisch schwer abbaubaren und persistenten Stoffen so gut wie nicht beikommt, eignen sich diese Prozesse kaum als Schadstoffsenker. Das aus den Anlagen kommende Material muss daher entweder auf einer Deponie abgeladen oder zur weiteren „Entgiftung“ in einen Müllofen transportiert werden – wohin man es auch gleich hätte schaffen können.

Mechanisch-biologische Verfahren taugen daher nur bedingt zur Energiegewinnung aus Abfall. Deutlich bessere Werte erzielt man, wenn die im Restmüll enthaltenen heizwertreichen Bestandteile wie Kunststoffe, Papier, Holz und Textilien aussortiert und zu einem sogenannten Ersatzbrennstoff verarbeitet werden. Dieser Weg wird heute in Deutschland bereits intensiv genutzt. Ein gutes Dutzend Sortieranlagen durchwühlen vollautomatisch den Müll, mit immer besseren Ergebnissen dank Infrarot- und Röntgenstrahlen.

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Rund 30 Anlagen in Bau oder Planung

Neueste Schätzungen ergaben, dass man hierzulande derzeit im Jahr rund sieben Millionen Tonnen Ersatzbrennstoff herstellt, aber bisher nur für 2,5 Millionen Tonnen Abnehmer gefunden hat. Der Grund: Die klassischen Verbrenner wie etwa Kohlekraftwerke fürchten das Korrodieren ihrer Kessel, wenn sie das Müllmaterial mit verbrennen. Diese Gefahr lässt sich durch den Bau eigens auf diesen Brennstoff ausgelegter Anlagen vermeiden. Sieben sind bereits in Betrieb. Gut 30 weitere sind in Bau oder in der Planung. Idealerweise stehen diese Spezialöfen direkt neben energieintensiven Produktionsanlagen, um die Vorteile eines Kraft-Wärme-Betriebs voll ausnutzen zu können.

Die Akzeptanz der Ersatzbrennstoffe steigt mit ihrer „Reinheit“. Sie sollten etwa PVC und Nichteisenmetalle nur in geringsten Dosen enthalten, was man mit modernen Trennanlagen problemlos schafft. Darin kann man nicht nur Brennbares, sondern auch alle nicht brennbaren Wertstoffe überaus sortenrein abscheiden. Ihre Sortierleistungen und -qualitäten liegen deutlich über denen des bisher favorisierten Weges: Wertststoffhaltiger (Verpackungs-)Müll wird getrennt vom Restmüll in gelben Säcken oder Tonnen erfasst, sortiert und verwertet.

Hier schlummert ein beachtliches Energiepotential

Die Suche nach der Energie in unserem Müll könnte die etablierten Abfallstrukturen nachhaltig durcheinanderwirbeln. Das bisher vorn rangierende Verwertungsgebot könnte der Energienutzung Platz machen. Nach der Meinung von Weiss sollte das Gros der Bioabfälle aus Haushalten nicht länger in Kompostanlagen zu einem „Bodenveredelungsmaterial“ verarbeitet werden. Deutlich sinnvoller sei, Küchenabfälle und Grünschnitt zu vergären und mit dem Gas Blockheizkraftwerke zu betreiben. Noch besser sei es, das Biogas ins öffentliche Gasnetz einzuspeisen, weil es Erdgas ersetzen kann. Das hier schlummernde Energiepotential sei beachtlich, sagt Weiss. Bei konsequentem Verwerten aller in Deutschland anfallenden biogenen Abfälle könnte man jährlich den Ausstoß von rund 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermeiden. Dazu müssten alle Bioabfälle wie Gülle und Mist vergoren sowie Restholz und Stroh verbrannt werden.

Quelle: www.faz.net


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