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Die Datenleitung von morgen: Arme, Beine und Hände

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Jetzt gehen Daten auch durch Mark und Bein. Wenn es nach dem größten japanischen Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo geht, dann könnte das schon im nächsten Jahr möglich sein. Der Konzern will die elektrische Leitfähigkeit des menschlichen Körpers nutzen.


Außerdem soll das Handy mit Sensoren zusammenarbeiten. So soll es etwa beim Betreten der U-Bahn den Fahrpreis bezahlen oder dem Besitzer die Haustür öffnen.

Handys erscheinen vielen von uns bereits heute als unersetzlich. Doch japanische Ingenieure arbeiten daran, Mobiltelefone noch weit mehr Funktionen beizubringen. Im Alltag ohne Handy auszukommen wäre dann tatsächlich unmöglich. Einer dieser Ingenieure ist Yuji Nakayama. Er entwickelt das Handy der Zukunft für den größten Mobilfunkanbieter Japans, NTT DoCoMo.

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Datenverbindungen sind bald überall.

Die Vision des Forschers vom Handy als Alleskönner ist bereits sehr konkret: Verlässt Nakayama sein Büro, verabschiedet ihn eine elektronische Stimme mit seinem Namen. Weiter geht es zur U-Bahn: ohne eine Fahrkarte zu kaufen, ohne auch nur die Hände aus der Tasche zu nehmen, steigt er ein und fährt doch nicht schwarz – er wird automatisch registriert und der Fahrpreis bezahlt.

In seiner Straße angekommen, öffnet sich die Haustür von allein. „Willkommen zu Hause“, sagt eine Stimme. „Sie haben Post bekommen.“ Eine leichte Berührung genügt, und schon klappt der Briefkasten auf. Er erkennt Nakayama, allein durch die Berührung. Nach den Schlüsseln zu seiner Wohnung muss Nakayama ebenfalls nicht zu suchen. Auch diese Tür öffnet sich, sobald seine – und nur seine – Hand sie berührt. Möglich macht all dies in der Vorstellung des Ingenieurs das Handy. Er muss es immer am Körper tragen, sonst wird es automatisch gesperrt und die Türen bleiben verschlossen.

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„Wir haben einen Prototyp eines Telefons entwickelt, das über den Körper Daten an Sensoren auf dem Boden, in Griffen oder U-Bahnschranken überträgt“, erläutert Nakayama. Während der Ingenieur über die Schwelle seines Hauses tritt, sendet das Handy ein Signal zur Identifizierung aus. Über den Oberkörper, die Beine und die Füße erreicht das Signal den Sensor auf dem Boden. Dieser ist an das Sicherheitssystem des Gebäudes angeschlossen und garantiert, dass nur die Bewohner Zutritt haben.

„Wir nutzen die Leitfähigkeit des Körpers, um Informationen zu übermitteln“, sagt der Forscher. Diese Technologie, an der neben NTT DoCoMo auch der Konkurrent KDDI seit mehreren Jahren arbeitet, bietet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. „Wenn es uns gelingt, die Leistung zu erhöhen, wird es möglich sein, Musik zu hören, indem man Kopfhörer aufhat und das Handy in der Tasche – ohne ein Kabel zwischen den beiden. Oder Videos anzusehen auf einer Brille oder einem Bildschirm, mit dem Körper als Übertragungsmittel“, sagt Nakayama. Auch könnten zwei Menschen untereinander auf ihren Handys gespeicherte Daten austauschen – sie müssten sich nur die Hand geben.

Die neue Technik könnte auch eine biometrische Identifizierung zum Beispiel an der Kasse ersetzen. Es würde ausreichen, das Handy beziehungsweise die Kreditkarte bei sich zu tragen. Und Blinden könnte der Weg gewiesen werden: Über den Blindenstock und die Hand könnten die Sensoren auf dem Boden Informationen über den Standort ans Handy übermitteln, die eine Computerstimme dann dem Blinden mitteilt.

Wenn Nakayama von all diesen Möglichkeiten spricht, redet er nicht von einer fernen Zukunft: „Wir denken, dass Handys mit dieser Technologie der kabellosen Telekommunikation in gut einem Jahr etwa auf den Markt kommen könnten.“ NTT DoCoMo plant, die neue Technologie zunächst für Sicherungssysteme und erst später zu kommerziellen Zwecken einzusetzen.

Wird das Handy tatsächlich zum unverzichtbaren Begleiter, darf der Akku nie schlapp machen. Auch dafür haben die Ingenieure schon eine Lösung im Blick: Die Bewegungen des Körpers sollen genutzt werden, um die Energie für das Telefon zu erzeugen.

www.nttdocomo.com

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