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Der Citysax ist startbereit

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Elektroflitzer aus Dresden – Während die großen Autokonzerne weltweit zum Wettrennen bei der Entwicklung von Elektromobilen aufgerufen haben, ist ein kleiner Hersteller aus Sachsen bereits am Ziel. Sein viertüriger Citysax fährt mit einem Drehstrommotor 130 Stundenkilometer schnell.


Das Dresdner Elektroauto Citysax ist bereit zum Start.

Die Insassen könnten sogar das Ticken von Armbanduhren hören – damit wurden einst die leisen Fahrgeräusche der Nobelkarosse Rolls-Royce gelobt. Jetzt schafft dieses Wunder auch ein Kleinwagen, und zwar einer mit Elektroantrieb. Gibt es nicht? Gibt es doch. Und zwar in Dresden, hergestellt von einem Drei-Mann-Betrieb.

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«Wir brauchen die Förderung der Regierung für die Entwicklung von Elektroantrieben nicht. Wir wollen jetzt bauen», betont Matthias Bähr, einer der Erfinder. Neben Bähr gehören Dirk Hunecke sowie Dirk Schulze zum Entwicklerteam. Schulze fährt seit 40 Jahren elektrisch und ist deswegen auch als Dresdner Elektropapst bekannt.

Seit dem Jahr 2006 haben die drei Tüftler ganz geheimnisvoll, wie es auch bei den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen großer Autokonzerne der Brauch ist, das Dresdner Elektrofahrzeug entwickelt. Sogar wenn Freunde zu Besuch kamen, blieb die Garage verschlossen.

Natürlich gab es Rückschläge in dieser Zeit. Einmal sei ein kleiner Scheibenläufermotor mit Gleichstrom in weißen Rauch aufgegangen, weil er zuviel Energie bekommen habe, erzählt Bähr. Eine spätere Version war zu langsam. Frau und Tochter sagten nach der Probefahrt: «Das Auto hat zu wenig Leistung, das kannste nicht anbieten.»

Daraufhin entschieden die drei Entwickler: weg vom Gleichstrommotor, hin zum Drehstrommotor. Und sie optimierten diesen solange, bis alle damit zufrieden gewesen sind. Das Ergebnis der jahrelangen Forschungsarbeit: Ein kleiner viertüriger Elektro-Flitzer mit allem, was ein Auto braucht.

Der 980 Kilogramm schwere Citysax verfügt über vier Sitze, serienmäßig über ABS, Frontairbag und verstärkte A-Säulen. Er fährt mit vollgeladener Batterie 120 Kilometer weit. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 Kilometer pro Stunde, damit ist er für die Autobahn zugelassen. Der Vorteil ist: Der Citysax kann an jede Steckdose angeschlossen werden. Der Nachteil: Eine volle Ladezeit dauert sieben bis acht Stunden. Hier wollen die Entwickler in Zukunft mit einem Drehstromlader nachlegen und die Zeit verkürzen.

Nach dem Anlassen des Motors hört man erstmal nichts. Nur die Armaturanzeige verrät dem Fahrer, dass der kleine Elektroflitzer zum Losfahren bereit ist. Das Fahrverhalten ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und erinnert eher an einen Autoscooter. Die Beschleunigung kann sich aber trotzdem sehen – oder besser spüren lassen. Zügig kommt der Citysax auch im zweiten Gang auf Touren.

Das aktuelle Modell basiert auf der Karosse eines Chevrolet Matiz. Die Fahrzeuge werden komplett von Korea aus nach Deutschland verschickt und in Dresden nach ihrer langen Reise auseinandergenommen. Eigentlich benötigen die Sachsen den Motor überhaupt nicht, aber ohne diesen hätte es Probleme bei der Verladung auf die Schiffe gegeben, begründet Bähr.

Eine der Fragen, die sich die Dresdner deshalb stellen müssen: Was wird mit den ausgebauten Benzinmotoren? Bisher habe er überlegt, die Motoren für Boote oder Blockheizkraftwerke zu verwenden, sagt Bähr. Aber eine endgültige Lösung habe er noch nicht gefunden.

Beim Kauf eines Citysax wird das Auto zuerst als Benzinfahrzeug zugelassen, danach erfolgt der Einbau der modernen Elektrotechnik. Da die Dekra das Projekt von Anfang an begleitet habe, sei das kein Problem, erklärt Bähr, der mit seinem Unternehmen Citysax Mobility GmbH auch eine zweijährige Garantie gewährleistet.

Der Citysax kostet brutto 39.835 Euro. Preisintensiv sei vor allem das Batteriesystem mit einer Steueranlage zum Angleichen der Ladungen in den einzelnen Akkus, erklärt Ingenieur Dirk Hunecke. Weiterhin begründen die Dresdner den Preis mit der Einstellung des Motors auf die Gangschaltung und der Abstimmung der neuen Technik auf die Armaturen.

Matthias Bähr und sein Team sind zuversichtlich, dass sie Käufer für ihren Citysax finden werden. Bereits jetzt haben unter anderem die Flughafenservicegesellschaft Frankfurt am Main und der Abwasserzweckverband Grevesmühlen Bedarf angemeldet. Ihre Zuversicht begründen die Dresdner auch mit ihrem Zeitvorsprung.

Denn andere Elektroautos, wie der Mitsubishi I-Miev, würden zwar gegenwärtig in Deutschland vorgestellt, aber zu kaufen gebe es die Japaner frühestens Ende des nächsten Jahres, so Bähr. Und die Präsentation der Elektroflotte von VW sei auch von 2012 weiter nach hinten verschoben wurden.

In der Dresdner Werkstatt sollen spätestens bereits ab September dieses Jahres fünf Citysax pro Monat gebaut werden. Zudem hätten sich bereits mehrere Partner gefunden, die in ihren Werkstätten ebenso das Elektrofahrzeug mit der Dresdner Technik herstellen wollen, sagt Bähr. In Zukunft solle es auch nicht beim Chevrolet Matiz als Basis bleiben. Die Dresdner überlegen im Moment, ebenso Modelle von VW, Citroen oder Peugeot zu einem Citysax umzurüsten.

Quelle:www.news.de

Elektromobil CITYSAX bei LexiTV am 11.06.2009

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